Die Straßenkarte ist die klassischste aller Kartenformen – und diejenige, deren Gestaltung am stärksten auf jahrzehntelanger Erfahrung beruht. Ihre eigentliche Leistung besteht nicht darin, alle Straßen zu zeigen, sondern darin, die wichtigen von den unwichtigen zu unterscheiden.
Die Hierarchie des Netzes
Ein Straßennetz ohne Hierarchie ist ein Liniengewirr. Deshalb werden Straßenklassen nach Bedeutung gestaffelt dargestellt – über Farbe, Strichstärke und Beschriftung:
- Autobahnen als kräftigste Signatur, mit Anschlussstellen, Kreuzen und Rastanlagen
- Bundesstraßen deutlich abgesetzt, mit Nummernschild-Signatur
- Landes- und Kreisstraßen feiner, aber durchgehend erkennbar
- Ortsdurchfahrten und Verbindungswege so weit, wie es der Maßstab trägt
Ergänzend enthält die Karte Entfernungsangaben in Kilometern zwischen den Knotenpunkten – ein Detail, das am Bildschirm überflüssig wirkt, an der Wand aber genau die Frage beantwortet, um die es meistens geht: Wie weit ist das?
Was die Karte zusätzlich verankert
Ein Straßennetz allein hängt im luftleeren Raum. Damit man sich zurechtfindet, kommen hinzu:
- Gewässer – Flüsse und Seen als natürliche Leitlinien im Kartenbild
- Wald- und Grünflächen zur Flächengliederung
- Reliefschattierung, die Höhenzüge und Täler sichtbar macht
- touristische Ziele wie Burgen, Museen, Klöster und Aussichtspunkte
- Bahnstrecken mit Bahnhöfen
Gerade die Reliefdarstellung wird oft unterschätzt. Sie erklärt auf einen Blick, warum eine Straße einen Umweg macht – ein Zusammenhang, den eine reine Netzdarstellung verschweigt.
Typische Verwendung
Die Straßenkarte kommt überall dort zum Einsatz, wo Wege und Erreichbarkeit im Vordergrund stehen: in der Tourenplanung und im Außendienst, in der Logistik, bei Feuerwehr, Rettungsdiensten und Bereitschaften sowie als Übersichtskarte in Empfangs- und Besprechungsräumen.
Wenn Sie beides brauchen
Häufig soll die Karte das Straßennetz und die Postleitzahlengliederung zeigen – etwa wenn Zustellgebiete entlang von Straßen abgegrenzt werden. Dafür gibt es die Straßenkarte mit Postleitzahlenraster: Sie behält das vollständige Netz und legt die PLZ-Gliederung als eigene Ebene darüber.
Soll es umgekehrt vor allem um Gebiete gehen und das Straßennetz nur der Orientierung dienen, ist die Postleitzahlenkarte die passendere Grundlage.