Das deutsche Postleitzahlensystem

Fünf Ziffern, die jeder kennt und kaum jemand einordnen kann. Dabei folgt das System einer klaren Logik – und wer sie kennt, versteht auch die Fallstricke bei der Datenauswertung.

Illustration: Deutschlandumriss mit den zehn nummerierten Leitzonen

Das heutige fünfstellige Postleitzahlensystem gilt seit dem 1. Juli 1993. Es löste die bis dahin getrennten Systeme der beiden deutschen Staaten ab, die nach der Wiedervereinigung mit den Zusätzen W- und O- behelfsmäßig unterschieden worden waren. Die Umstellung war eine der größten logistischen Datenumstellungen der Nachkriegszeit.

Der Aufbau: von grob nach fein

Die fünf Ziffern sind hierarchisch aufgebaut. Jede zusätzliche Ziffer verfeinert die Verortung:

Stelle Bezeichnung Was sie eingrenzt
1. Ziffer Leitzone einen von zehn Großräumen
1.–2. Ziffer Leitregion eine Region innerhalb der Leitzone
1.–3. Ziffer Leitbereich das Zustellgebiet eines Briefzentrums
1.–5. Ziffer Postleitzahl das einzelne Zustellgebiet

Ein Beispiel: Unser Firmensitz hat die Postleitzahl 48599. Die 4 steht für die Leitzone Nordrhein-Westfalen-West, die 48 für die Leitregion Münster, die 485 für den zugehörigen Leitbereich und die vollständige 48599 für das Zustellgebiet Gronau.

Genau diese Hierarchie macht die digitale Auswertung so flexibel: Sie können jederzeit von der fünfstelligen auf die drei- oder zweistellige Ebene aggregieren, indem Sie Stellen abschneiden. Umgekehrt geht es nicht. Deshalb liefern wir digitale Postleitzahlgebiete so attributiert, dass alle Ebenen im Datensatz enthalten sind.

Die zehn Leitzonen

Die erste Ziffer teilt Deutschland in zehn Großräume. Die Verteilung folgt keiner geografischen Systematik von Nord nach Süd, sondern entstand aus der Zusammenführung der beiden früheren Systeme:

Zone Schwerpunkt Beispielstädte
0 Sachsen, Ostthüringen Dresden, Leipzig, Chemnitz
1 Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern Berlin, Potsdam, Rostock
2 Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen Hamburg, Kiel, Bremen
3 südliches Niedersachsen, Nordhessen, Ostwestfalen Hannover, Kassel, Bielefeld
4 westliches Nordrhein-Westfalen Düsseldorf, Dortmund, Münster
5 Rheinland, Rheinhessen Köln, Bonn, Aachen, Mainz
6 Rhein-Main, Saarland, Pfalz Frankfurt am Main, Wiesbaden, Saarbrücken
7 Baden-Württemberg (Nord und West) Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg
8 südliches Bayern München, Augsburg, Ulm
9 Franken, Oberpfalz, Westthüringen Nürnberg, Würzburg, Erfurt

Auffällig: Die Zone 0 ist die einzige, deren Gebiet vollständig in den neuen Bundesländern liegt, während Thüringen auf die Zonen 0 und 9 verteilt ist. Genau solche Brüche machen es unmöglich, aus einer Postleitzahl verlässlich auf ein Bundesland zu schließen.

Die drei Tücken bei der Datenverarbeitung

1. Führende Nullen. Die mit Abstand häufigste Fehlerquelle. Postleitzahlen der Leitzone 0 beginnen mit einer Null – 01067 für Dresden, 04103 für Leipzig. Tabellenkalkulationen und Datenbanken interpretieren solche Werte gern als Zahl und machen daraus 1067 und 4103.

Die Folge: Bei jeder Kartenauswertung fällt ganz Sachsen und ein Teil Thüringens heraus. Wenn eine Auswertung auffällig viele nicht zugeordnete Datensätze meldet und diese sich im Osten häufen, ist das praktisch immer die Ursache. Postleitzahlen gehören in ein Textfeld, niemals in ein Zahlenfeld.

2. Nicht jede Postleitzahl hat eine Fläche. Neben den flächenbezogenen Zustell-Postleitzahlen gibt es zwei weitere Arten:

  • Postfach-Postleitzahlen für Postfachanlagen
  • Großempfänger-Postleitzahlen für einzelne Unternehmen und Behörden mit sehr hohem Postaufkommen

Beide kommen in Adressbeständen vor, haben aber keine Ausdehnung in der Karte. Sie erzeugen bei jeder Flächenzuordnung nicht zugeordnete Datensätze – das ist kein Datenfehler, sondern eine Eigenschaft des Systems.

3. Postleitzahlen ändern sich. Sie werden fortgeschrieben, wenn sich Zustellstrukturen ändern. Für Auswertungen über mehrere Jahre heißt das: Ohne einheitlichen Gebietsstand sind die Zahlen nicht vergleichbar.

Was die Postleitzahl nicht ist

Ein grundsätzlicher Punkt, der viele Auswertungen betrifft: Postleitzahlengebiete sind kein Verwaltungssystem. Sie wurden für die Briefzustellung geschaffen und folgen Zustellwegen, nicht Zuständigkeiten.

Daraus folgt:

  • Ein Postleitzahlengebiet kann sich über mehrere Gemeinden erstrecken
  • Eine Gemeinde kann mehrere Postleitzahlen umfassen
  • Postleitzahlengrenzen verlaufen regelmäßig quer über Kreis- und sogar Landesgrenzen

Für die Praxis ist das erheblich: Amtliche Statistik liegt nach Kreisen und Gemeinden vor, Ihre Kundendaten nach Postleitzahlen. Beides zusammenzubringen erfordert eine Umrechnung – und die ist eine gewichtete Verteilung, keine exakte Zuordnung. Sichtbar wird die Problematik auf der PLZ- und Verwaltungskarte.

In der Karte

Wie diese Gliederung kartografisch umgesetzt wird, beschreibt die Kartengrundlage Postleitzahlenkarte. Gedruckt finden Sie sie als Postleitzahlenkarte Deutschland, digital als Postleitzahlgebiete.

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Beschreiben Sie kurz Ihr Vorhaben – Gebiet, Karteninhalt und Verwendung. Wir sagen Ihnen, welche Kartengrundlage passt und ob eine gedruckte Karte, eine digitale Karte oder beides die richtige Lösung ist.

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